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Deprivation & Resozialisierung

eprivation und Resozialisierung

Vrhaltenstherapie

In der Verhaltenstherapie werden mir heute – weit über die Ostschweiz hinaus – zunehmend Hunde vorgestellt, die als sogenannte „Problemhunde“ wahrgenommen werden. Häufig handelt es sich dabei um Hunde aus dem Auslandstierschutz, die dort wenig oder überwiegend negative Erfahrungen gemacht haben. Hinzu kommt nicht selten ein erheblicher Kulturschock.

Andere Hunde stammen aus mangelhafter Haltung oder Aufzucht und sind mit zu wenigen Umweltreizen aufgewachsen. Auch ungewollte soziale Isolation kann eine Rolle spielen, etwa wenn Tierheimhunde nur eingeschränkte Möglichkeiten zur sozialen Interaktion haben.

In solchen Fällen kann die Begleitung durch eine qualifiziert ausgebildete Verhaltens- oder Tiertherapeutin eine sinnvolle und nachhaltige Unterstützung sein.

Deprivation

Von Deprivation spricht man, wenn einem Lebewesen der dringend notwendige soziale Kontakt zur Umwelt über längere Zeit verwehrt wird. Es handelt sich um einen Zustand von Entbehrung, Isolation oder Verlust vertrauter Reize.

Deprivation kann sich unter anderem zeigen durch:

  • widersprüchliche soziale Reaktionen (Annäherung und Vermeidung zugleich)
  • Unsicherheit gegenüber Menschen und/oder Artgenossen
  • emotionale Auffälligkeiten wie verminderte Ansprechbarkeit oder Apathie
  • stereotype Verhaltensweisen, z. B. exzessives Pfotenlecken
    (vorausgesetzt, medizinische Ursachen wie orthopädische Probleme wurden tierärztlich ausgeschlossen)

Resozialisierung

Die Resozialisierung von Hunden gehört in fachkundige Hände. Sie erfordert Erfahrung, Geduld und ein individuell angepasstes Vorgehen.

Aus eigener Praxis und persönlicher Erfahrung weiss ich, dass die Arbeit mit sozial auffälligen oder sozial inkompetenten Hunden – insbesondere mit deprivierten Hunden – oft ein längerer Prozess ist, der auch Rückschritte beinhalten kann.

Resozialisierung bedeutet:

  • ein behutsames, kontrolliertes Annähern
  • das schrittweise Erweitern des sozialen Umfelds
  • positive und sichere Lernerfahrungen
  • klare Führung und verlässliche Rahmenbedingungen

Ziel ist es, dem Hund zu ermöglichen, wieder Vertrauen zu fassen und soziale Kompetenzen aufzubauen – gegenüber Artgenossen und/oder Menschen.

Nahezu alle Hunde können resozialisiert werden. Sie benötigen dabei Unterstützung, Zeit und Verständnis – niemals Gewalt.

Herausforderungen im Alltag

Eine besondere Schwierigkeit im Resozialisierungsprozess stellen unkontrollierte Hundebegegnungen dar. Hunde, die sich in Training oder Rehabilitation befinden, sind häufig auf Leinenführung angewiesen. Werden sie von freilaufenden Hunden ungefragt bedrängt, kann dies den Trainingsfortschritt erheblich beeinträchtigen.

Es gibt viele legitime Gründe, einen Hund an der Leine zu führen, zum Beispiel:

  • Läufigkeit
  • Krankheit oder Rehabilitation
  • hohes Alter
  • soziale Unsicherheit oder Deprivation
  • jagdliches Verhalten

Jedes Lebewesen hat ein Recht auf Unversehrtheit und ein Recht auf Angst. Angst entsteht nicht grundlos – sie ist meist das Ergebnis früherer negativer Erfahrungen.

Rücksichtnahme und vorausschauendes Handeln helfen, schwierige Situationen zu vermeiden und fördern ein entspanntes Miteinander.

Hunde regeln Begegnungen nicht grundsätzlich „unter sich“. Gerade sozial unsichere Hunde benötigen die klare und schützende Führung ihrer Menschen. Ein entspannter Hund ist kein „Therapiehund“, sondern schlicht ein Hund mit anderen Voraussetzungen.

Verantwortung und Erziehung

Wie bei Kindern gehört es auch bei Hunden zu unseren Aufgaben, soziale Kontakte zu begleiten und zu steuern. Wir lassen Kinder ebenfalls nicht unkontrolliert auf jedes andere Kind treffen.

Ein respektvolles, verantwortungsbewusstes Miteinander ist die Grundlage für nachhaltiges Lernen.

Kritischer Blick auf Trainingsmethoden

Mediale Darstellungen von Hundetraining vermitteln häufig ein verzerrtes Bild. Schnelle Lösungen und spektakuläre Vorher-/Nachher-Effekte basieren oft auf aversiven Methoden, die auf Druck, Schmerz oder Angst beruhen.

Hilfsmittel wie Stromhalsbänder, Ferntrainer, Würge- oder Stachelhalsbänder sowie vergleichbare Techniken lehne ich konsequent ab. Sie unterdrücken Verhalten, lösen aber keine Ursachen und schädigen die Beziehung zwischen Mensch und Hund.

Jeder Hund ist ein Individuum. Verhalten muss immer im Kontext seiner Geschichte, seiner Emotionen und seiner Lebensumstände betrachtet werden.

Seriöse Verhaltenstherapie arbeitet gewaltfrei, individuell und nachhaltig.

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